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Die (Corona-)Krise: deine Chance

Müde waren die Männer und abgekämpft. Drei Tage Marsch lagen hinter ihnen. Drei Tage mit voller Kampfausrüstung, durch hügeliges Land, unter der heißen Sonne des Südlands von Juda. Nur noch ein letzter Hügel, und sie würden zuhause sein. Nach nichts sehnten sie sich mehr als ihre Familien wiederzusehen.

Der beinahe surreale Anblick ließ sie sich in einem bösen Traum wähnen. Die Stadt Ziklag war schwarz, dichte Rauchschwaden stiegen von ihr auf. Niemand schien mehr darin zu sein. 

Wie die Männer erfuhren, hatten marodierende Banden Ziklag angezündet und sämtliche Bewohner verschleppt – darunter auch die Familien Davids und seiner Männer. Wenn das mal keine Krise ist!

Wir stecken in diesen Tagen in der Corona-Krise. Aus der biblischen Geschichte (1. Samuel 30) können wir Unschätzbares darüber lernen, wie wir Krisenzeiten zu fruchtbaren Wachstums- und Veränderungszeiten machen. Aber sehen wir uns zuerst einmal an, was die Forschung uns über den typischen Verlauf von Krisen bei Menschen sagt. Es ist hilfreich, zu wissen, wie man die eigenen Aufs und Abs einordnen soll, und was einen vielleicht noch erwartet. Vieles davon werden wir in der Davids-Geschichte wiederfinden.

Die Krisen-Achterbahn

Einen Meilenstein der Krisenforschung setzte die schweizerisch-amerikanische Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross mit ihrem Modell der Sterbephasen (z. B. in ihrem Buch On Death and Dying). Basierend darauf wurden Modelle entwickelt, die Krisen im Allgemeinen nachzeichnen. Wir werden uns hier am sog. „Rollercoaster“-(Achterbahn-) Modell von Shepard und Hurst (1986) orientieren [1]. 

Die Phasen 1 mit 4 beschreiben die „Sofortmaßnahmen“ in einer Krise: auf Schock und Trauer folgen (meist kopflose) Anstrengung zu Beseitigung der Krise, die aber aufgrund von mangelndem Erfolg in Wut und Depression mündet. Wir sehen das in der Ziklag-Krise: Nach anfänglichem Schock und Trauer (die Männer „weinten, bis sie nicht mehr konnten“, 1. Samuel 30,4) richtete sich die Ohnmacht der Truppe als Wut gegen David, ihren Anführer („… die Leute sprachen davon, ihn zu steinigen …“, Vers 6). Findest du dich hier vielleicht wieder? Vielleicht hast du deinen Arbeitsplatz verloren, vielleicht sogar einen geliebten Menschen. Vielleicht spürst du diese Ohnmacht, für die es kein schnelles Gegenmittel gibt, und bist geneigt, wütend auf andere zu werden: die Chinesen, unsere Regierungen, die unvorsichtigen Karnevals-Jecken, Donald Trump …

Aber vielleicht bist du auch schon weiter, in Phase 5, und hast neue Hoffnung geschöpft. Weil die Zahl der Neuinfektionen gefallen ist, Italien weniger Tote an einem Tag gemeldet hat, weil ein Wissenschaftler oder Politiker mutmachende Worte gesagt hat … natürlich kann es aufwärts gehen, aber eben auch weiter bergab, und zwar unabhängig von der Gesamtsituation. Vielleicht werden die Fallzahlen bald so niedrig sein, dass die Geschäfte wieder öffnen können – doch dein Business hat in der Zwischenzeit so gelitten, dass du nicht weißt, ob es überhaupt noch eine Zukunft hat.

Mit Gott durch die Krise gehen

Ich möchte ein anderes Vorgehen vorschlagen, eines, das schon in Phase 3 ansetzt. Wir sehen es bei David. Zum einen ließ er die Trauer bei sich und seinen Männern voll zu. Das ist sehr wichtig für die Psychohygiene. Viele Menschen flüchten sich eher in Verleugnung, als den Tatsachen ins Auge zu sehen, weil ihnen das einfach zu weh tut. Und zugegeben, es gibt Dinge, die sind so schlimm (je nach Mensch kann dies auch schon der Verlust des Arbeitsplatzes sein), dass wir uns nur mit einer Ausblendungs-Strategie über Wasser halten können. 

Doch David hatte etwas gelernt, das ihm damals half, die Emotionen zuzulassen, ohne innerlich Schiffbruch zu erleiden. Er wusste, dass Gott seine Trauer ganz genau sieht und darin näher bei ihm ist als es ein Mensch je sein könnte:

„Du zählst, wie oft ich fliehen muss, / und sammelst meine Tränen in deinen Krug!“

Psalm 56,8

Mit diesem festen seelischen Anker bei Gott war es David möglich, die unleugbaren Tatsachen zu akzeptieren. Frauen und Kinder waren nun mal verschleppt, die Stadt verbrannt. Vielleicht ist es an dir zu akzeptieren, dass dein Job weg ist oder du nun viel mehr Zeit als sonst zuhause verbringen musst. 

Entscheidend für die Krisenbewältigung ist auch zu sehen, dass Gott durch die Krise nicht überrascht ist. Er läuft nicht „händeringend“ auf und ab und sucht verzweifelt nach einer Lösung. Er ist der Souverän, und ja, er hat diese Krise zugelassen. Warum? Eine Antwort finden wir in Davids nächstem Schritt, mit dem er im Grunde direkt in Phase 6/7 springt:

„David holte sich Mut bei Jahwe, seinem Gott.“

1. Samuel 30,6

David wandte sich an Gott. Kann es sein, dass Gott Krisen in unseren Leben zulässt, damit wir unseren „geistlichen Autismus“ hinter uns lassen und endlich die Verbindung mit Gott suchen?

Die Öffnung zu Gott hin zeigte schnell Wirkung bei David. Wir sehen bei ihm neue Tatkraft und Mut, welche die Phasen 6 und 7 auszeichnen:

Dann fragte er Jahwe: „Soll ich diese Räuberbande verfolgen? Werde ich sie einholen?“ – „Ja, verfolge sie! Du wirst sie gewiss einholen und die Gefangenen befreien!“, erhielt er zur Antwort. Da brach David mit seinen 600 Männern sofort auf.

1. Samuel 30,8.9

Gott will ganz sicher nicht, dass wir in Krisenzeiten niedergeschlagen und passiv herumsitzen und alles über uns ergehen lassen. Aber er möchte ganz sicher, dass wir zu ihm kommen, ihm ganz ehrlich alles sagen, was in uns vorgeht, und uns von ihm führen lassen. An dieser Stelle darf ich ein persönliches Erlebnis anführen. Letztes Jahr bewarb ich mich um eine Fortsetzung meiner Forschungsförderung. Alles sah zunächst gut aus, doch dann wurde ich mit fadenscheinigen Begründungen abgelehnt. Für mich ein veritabler Schock, den ich sogar körperlich erlebte. Mit den Wochen jedoch realisierte ich, dass ich kaum je Gott gefragt hatte, was er mit mir will. Und so begann ich, Gott in alle noch so kleinen Entscheidungen und Pläne miteinzubeziehen. Und ich spürte und spüre, dass er mich leitet.

Davids Geschichte hatte ein Happy End: Seine Männer und er retteten die gesamte Bevölkerung Ziklags und machten eine Riesenbeute obendrein. Darauf gibt es keine Garantie. Aber eines ist sicher, wer Gott in der Krise ernsthaft sucht, wird ihn finden, und damit wunderbare Chancen:

„Wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden. Ja, wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt …“

Jeremia 29,13

Das klingt schön, aber Gott scheint dir fern? Dafür gibt es eine Erklärung, und eine Lösung. Die Erklärung ist die gleiche wie in menschlichen Beziehungen. Kappen wir die Verbindung oder verletzen einander, entfremdet man sich voneinander. Ebenso verlieren wir den Kontakt zu Gott, wenn wir ihn ignorieren oder Dinge tun, die ihn schmerzen. Die Lösung ist, dass Gott uns einlädt, uns ihm zu nahen. Vergebung ist uns sicher.

„Wenn wir unsere Sünden eingestehen, zeigt Gott, wie treu und gerecht er ist: Er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von jedem begangenen Unrecht.“

1. Johannes 1,9

Wir wünschen dir, dass die Corona-Krise deine Chance sei, denjenigen kennenzulernen, mit dem man durch alle Krisen gehen kann.

Der Artikel ist inspiriert durch die Predigt „Wie Krisen zu Chancen werden können“ von Pastor Daniel Rath, gehalten am 22. März 2020 in der FEG Stadtmission („Stami“) St. Gallen 

  • [1] https://eric.ed.gov/?id=EJ332726
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