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Vom Millionär zum Prediger

Nathanael Draht hatte alle Ziele erreicht. Er war mit dreißig Selfmademillionär und lebte in Saus und Braus: schnelle Autos, Drogenpartys, ein großes Haus. Dennoch merkte er am Höhepunkt seines Lebens, dass ihm etwas fehlte – und fand es in Gott.

Außerhalb der geschlossenen Ortschaft heult der Motor auf. Der Jaguar schießt nach vorne, drückt uns in die Ledersitze. Nathanael lacht laut auf, auch wenn der Spaß nur von kurzer Dauer ist: Das nächste Ortsschild naht bereits. Er liebt die schnellen Autos immer noch. Doch etwas Entscheidendes ist anders als damals, vor fast zehn Jahren, als er den weißen Audi S5 kaufte.

Der S5 war der letzte Punkt seiner Liste mit Lebenszielen und bewies: Nathanael Draht hatte es geschafft – ganz allein.

1. Reich werden
2. Chef sein
3. Einen Sportwagen fahren
4. Ein großes Haus besitzen
5. Viele Freunde haben
6. Viele Frauen haben
7. Ein Leben voller Partys, Spaß und Adrenalin
8. Gesundheit
9. Schönheit
10. Ansehen

Jetzt hatte er allerdings ein Problem: Er wusste nicht, was er als Nächstes erreichen wollte. Mit dem S5 touchierte er bald einen Schneehügel und stellte fest: Seinen riskanten Fahrstil mit diesem Auto beizubehalten, wäre ein teures Vergnügen. Aber Nathanael Draht fand eine einfache Lösung: Er plante, ein zweites Auto zu kaufen, schnell, aber gebraucht. Mit diesem Auto wollte er dann driften und über Schanzen springen und den S5 dafür schonen. Weil das Auto irgendwo parken musste, dachte er über eine versenkbare Garage nach. Mit Nebeleffekt, wenn das Auto aus dem Boden fuhr. »Ich dachte immer: Wenn ich erst Millionär bin, wenn ich ein Haus habe, wenn ich Macht und Ansehen habe, wenn mir die Frauen nachlaufen, wenn mich die Menschen beneiden und verehren; dann bin ich glücklich. Ich hatte das alles, und ich verstand nicht, warum ich innerlich immer leerer wurde.«

Aus der Garage zum Millionär

Wir fahren zu Drahts Firma. Das Verdeck des Cabrios schließt automatisch, Sekunden später regnet die Sprinkleranlage Wassertropfen aufs Dach. Der Rasen ist gepflegt, das Gebäude modern, aber unscheinbar. Wir betreten es zwischen dem fensterlosen Lagerbereich und den verglasten Büros. Was sich Draht hier aufgebaut hat, klingt nach dem amerikanischen Traum. Als Schüler bereits fing er an, in seiner Garage Wasserkühlungen zu bauen, weil sein Rechner zu heiß wurde, als er Ego-Shooter zockte. »Am Anfang waren das einfach Schläuche, die zu einem Eimer mit Wasser führten.« Nach dem Abi studierte er Maschinenbau und entwickelte seine Kühlung weiter. Schließlich brachte er erste Produkte auf den Markt und baute gleichzeitig einen Onlineshop für Computerhardware auf. Seine Mitarbeiter waren Freunde und Kommilitonen, sie wohnten zusammen in Wohngemeinschaften, tüftelten bis tief in die Nacht an neuen Produkten. »Ich wollte immer ein Unternehmen haben, in dem ich auch selbst als Arbeitnehmer gern arbeiten würde.« Entsprechend niedrig war die Fluktuation. Aus der Garage heraus wurde das Unternehmen zum Marktführer und Draht zum Millionär.

Der Beginn eines neuen Lebens

Weiter geht es zu Drahts erstem eigenem Haus, das seine damaligen Freunde als Luxusvilla bezeichneten. Das ist es allerdings nicht, nur reichlich groß für eine Person. Eine Durchschnittsfamilie würde sich wohlfühlen in dem unauffälligen Backsteinhaus in einem Baugebiet aus den 80er-Jahren. Fast schon spießig. Ein Hund kommt zum Zaun und grüßt, beim Nachbarn trimmt ein Roboter den Rasen. In diesem Haus fiel Draht nach einer seiner unzähligen Partynächte ein Neues Testament in die Hände, das ihm seine Schwägerin einmal geschenkt hatte. Er erinnerte sich an all die Geschichten aus der Bibel, die ihm seine Mutter früher erzählt hatte. In diesem Moment begann er sich zum ersten Mal, einige Fragen zu stellen: Was, wenn diese Geschichten wahr wären? Was, wenn dieses Buch recht hatte? Wäre das nicht die perfekte Antwort auf seine innere Leere?

Wenige Tage später begleitete Draht seinen Bruder, der schon etwas länger Christ war, in einen Gottesdienst. »Es kam eine Band auf die Bühne, die Leute standen auf und klatschten, einige beteten laut und hoben die Hände. Ich fragte mich, was da abgeht und spürte ein Brennen im Herzen, ein Gefühl voller Sehnsucht und Ohnmacht.« Irgendwas zog ihn an – und so blieb es nicht bei dem einen Gottesdienstbesuch. Am folgenden Donnerstag fuhr er zu einem christlichen Kongress. »Ich hatte eigentlich einen Vatertagsausflug mit meinen Freunden geplant – inklusive Alkoholdruckbetankung und Exitus.« Aber der Kongress war ihm plötzlich wichtiger. Was er dort erlebte, stellte sein Leben auf den Kopf. Während zweier Predigten hatte er den Eindruck, Jesus würde direkt zu ihm sprechen. Es war, als würde er ihm all seine Fragen mit einer absoluten Klarheit beantworten. Und so entschied Nathanael Draht sich für ein Leben mit Jesus.

Ich hatte alles und verstand nicht, warum ich innerlich immer leerer wurde.

180-Grad-Drehung

Es veränderte ihn von einem Tag auf den anderen: Als Erstes flogen die Drogen raus. »Happy Pills, LSA-Samen, alle möglichen Kräuter, meine Meskalinplantage bis hin zu der großen Box psychoaktiver Pilze, mit der man ein ganzes Fußballteam für einen Abend ins Nirwana hätte katapultieren können.« Auf die Drogen folgten Alkohol, Selbsthilferatgeber, Filme und Musik-CDs. Draht fing an, über seinen Glauben zu reden, betete für Kranke, nahm an Missionseinsätzen teil. Der vorläufige Höhepunkt seines neuen Lebens folgte ein halbes Jahr später in Indien, als er mit einer kleinen Reisegruppe unterwegs war. Sie veranstalteten einen Gottesdienst, an dessen Ende die Menschen für sich beten lassen konnten. Weil so viele kamen, teilte sich die Gruppe auf. Draht betete allein für einige Menschen – und sie wurden gesund. Einer nach dem anderen.

Der abtrünnige Sohn

Nicht weit von Drahts erstem Haus entfernt wohnt seine Mutter. Die Wohngebiete ähneln sich. Sie öffnet uns die Tür, zwei Kinder rennen durch die Wohnung und springen ihrem Papa auf den Arm. Den Vormittag durften sie bei Oma verbringen, zeigen stolz die neuen Legokreationen. »Nathanael und ich hatten früher eine sehr gute Beziehung. Ab zwölf war das dann plötzlich wie abgerissen«, erzählt die Mutter. »Er wollte nicht mehr in die Kirche und wir ließen ihn.« Über die Jahre entfernte er sich immer weiter von Gott und seiner Familie.

Mein Weg hat mich an einen Tiefpunkt geführt. Aber dadurch habe ich am Ende Gott kennengelernt.

«Er war auf einem Weg, der mir gar nicht gefiel. Richtig bedenklich wurde es, als er die Firma hatte und mein Chef wurde. Wenn ich montags in sein Büro kam und er noch ganz benebelt vom Wochenende da saß, dachte ich, was ist nur mit meinem Jungen passiert?« Jahre später, mitten in einer schweren Krankheitsphase, an deren Ende der baldige Tod der Mutter drohte, kam dann plötzlich eine SMS des Sohns: »Im Himmel läuft ne Party.« Da wusste sie sofort, was passiert war: Ihr Sohn hatte sich bekehrt.

Prediger und CEO

Wir fahren nach Hause, zu Drahts Familie, in sein neues Haus. Wir reden über Theologie, über Kirche und übers Vatersein. Der Job und der Erfolg sind schon lange nicht mehr das Wichtigste in seinem Leben. Klar, er hat Verantwortung für seine Kinder, er will für sie sorgen, so gut es nur geht. Aber wichtiger als der Reichtum ist für ihn heute die Liebe Gottes. Diese Botschaft will er nicht nur an seine Kinder weitergeben, sondern an die ganze Welt, und zwar, indem er seine Geschichte erzählt. Als Prediger in Gemeinden, als Redner bei Businessveranstaltungen. Sogar ein Buch hat er über sein Leben geschrieben. »Mein Weg hat mich an einen Tiefpunkt geführt. Ich bin nicht stolz darauf, aber diese Erfahrungen haben mich am Ende dahin gebracht, auf eine einzigartige Weise Gott kennenzulernen.«

Die Straße schlängelt sich durch eine gemütliche Altstadt den Hang hinauf. Langsam biegen wir in die Einfahrt ein und fahren in die Garage. Ganz ohne Nebeleffekte.

Dieser Artikel ist zuerst im gomagazin Ausgabe 13 erschienen (www.gomagazin.ch). Wir veröffentlichen den Beitrag mit der freundlichen Genehmigung des Verlags.

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