Wenn du mich kennst und lieb hast, dann zeig dich mir

Mein Name ist Nadine, ich bin 39 Jahre alt, seit knapp vier Jahren glücklich verheiratet und habe zwei Töchter, die fast neun und fast drei Jahre alt sind. Gerne möchte ich Euch etwas aus meinem Leben erzählen.

Meine Kindheit habe ich in der schönen Stadt Fulda in Hessen verbracht. Nicht nur die Stadt, sondern auch die Familie, in der ich zusammen mit meiner Zwillingsschwester aufwachsen durfte, war katholisch geprägt. Somit war ich schon in einem Kindergarten, der damals von Ordensschwestern geleitet wurde und ging ab der 5. Klasse auf ein staatlich anerkanntes Gymnasium für Mädchen, welches vom Orden der Maria-Ward-Schwestern geleitet wurde. Der traditionell katholische Glaube war damit das Umfeld, welches ich kannte und in dem ich gelebt habe.

Meine Fehler: Hilft die Beichte?

Mit ca. neun Jahren, in dem Alter, in dem man als Katholik das 1. Mal die “Heilige Kommunion” empfangen darf, kam ich allerdings in eine erste “Glaubenskrise”: Seit dieser Zeit war es mir immer etwas mulmig zumute, wenn in den Gottesdiensten, die ich regelmäßig besuchte, die Eucharestie vollzogen wurde. Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht verstand, um was es genau geht. Ebenso fiel es mir von da an schwer, das Sakrament der Beichte für mich in Anspruch zu nehmen, leuchtete mir doch nicht ein, warum die Fehler, die ich gemacht hatte, mich plötzlich nicht mehr beschäftigen sollten, bloß, weil ich sie in einem mir unangenehmen Prozess dem Pfarrer gebeichtet hatte. Heute bin ich überzeugt davon, dass damals Gott bereits zu mir sprechen wollte. Aber dazu später.

Meine Jugend war weiterhin geprägt von einer Reihe kirchlicher Aktivitäten, denn ein Großteil meines Freundeskreises war in der Jugendgruppe der örtlichen Pfarrgemeinde engagiert. Von meinen Eltern aus bestand, was Kirchenbesuche anging, kein weiterer Druck. Christliche Wochenend-Fahrten, Zeltlager, die katholische Liturgie, … da fühlte ich mich wohl und fand in diesem Rahmen auch zu meinem damaligen ersten Freund, mit dem ich einige Jahre in einer Beziehung war.

Die Existenz Gottes hatte ich bis dahin nie geleugnet, auch wenn ich mich nicht an christliche bzw. biblische Regeln hielt im Bezug auf mein Leben. Ich selbst empfand mich als ganz passablen Christen, tat ich doch schliesslich auch genug dafür durch mein Engagement in der Pfarrgemeinde. Das schlechte Gewissen in dem ein oder anderen Punkt konnte ich gut verdrängen. Gott selbst hatte ich bis dahin nie in Beziehung zu meinem persönlichen Leben gestellt.

Ungeplant schwanger in der Großstadt

Mit knapp 23 Jahren zog es mich aus beruflichen Gründen nach München. Ein neuer Job in der Reisebranche, neue Freunde, die Unterhaltungsmöglichkeiten in dieser großen Stadt, Beziehungen und ein selbstbestimmtes Leben waren mir wichtig. Hin und wieder besuchte ich sonntags noch immer einen katholischen Gottesdienst, aber in meinem allgemeinen Lebenswandel entfernte ich mich immer mehr von Gott.

Einige Jahre später, ich war 26 Jahre alt, unternahm ich eine 6-monatige Auslandsreise nach Australien und Südafrika. Abenteuer erleben, auf eigenen Beinen stehen und Lebenserfahrungen sammeln, ja, mein Leben weitgehend selbst zu bestimmen, das war mir sehr wichtig.

Als ich, zurück in München, den Vater meiner großen Tochter kennenlernte, begann eine schwierige Zeit. Ich führte eine schwierige Beziehung mit einem chronisch depressiven Menschen, der noch dazu überzeugter Atheist war. Ich fing an, an meinem Glauben zu zweifeln, fühlte mich alleine und überfordert. Als ich Ende 2010 ungeplant schwanger wurde und der Vater meines Kindes mich zur Abtreibung überreden wollte, flehte ich in meiner Angst und Hilflosigkeit das erste Mal wirklich ernsthaft zu Gott und bat um seine Hilfe…

Alleinerziehend mit Teilzeitjob, Kind und auf der Suche nach Liebe und einer “richtigen” Familie erlebte ich einige Enttäuschungen und empfand mein Leben als äusserst anstrengend. Ich konnte nicht verstehen, warum ich es so viel schwerer hatte als viele Menschen, die ich kannte. Insgeheim machte ich Gott dafür verantwortlich, dass er mich im Stich lies und es mir nicht besser erging.

Kommt zu mir, ich will euch erquicken

Ende des Jahre 2013 traf ich auf Umwegen auf einen Menschen, der anscheinend eine besondere Beziehung mit Gott in seinem Leben führte. Nach einem kurzen Gespräch über den Glauben fing ich an mich zu fragen, was ich in meinem Leben eigentlich erwartete. Ich fragte mich auch, welche Werte und welchen Glauben ich meinem Kind vorhatte zu vermitteln. Einige Monate später, erneut enttäuscht durch eine kurze Beziehung ohne Zukunftsperspektiven, kam es in meiner “Krise” erneut zu einem Gespräch mit diesem Bekannten. In diesem Gespräch gab er mir einen Rat, indem er mir einen Bibelvers nannte: “Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken!” aus dem Matthäus-Evangelium in Kapitel 11, Vers 28. Das fand ich doch sehr verwunderlich, denn den Rat, in der Bibel zu lesen, zu beten, und das, um zu einer Lösung meiner Probleme zu kommen, das hatte ich noch nie erlebt. So fing ich an, da mir der Bekannte so geraten hatte, regelmässig zu beten: “Jesus, wenn Du mich kennst und lieb hast, dann bitte ich Dich, zeig Dich mir.”

Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich glaubte, dass Gott mit mir und meinem Leben besonders viel zu tun hatte, fing ich ebenfalls an, gemeinsam mit dem Bekannten per Skype (denn er wohnte nicht in München) im Johannes-Evangelium zu lesen. Umso erstaunter war ich, als wir zu folgendem Vers kamen: “Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben” (Johannes 3,16).

Konnte es wirklich sein, dass ICH persönlich auf dem Weg war, verloren zu gehen? Und war es wirklich so, dass ICH Gott so wichtig war, dass jemand an meiner Stelle, niemand geringerer als Jesus, Gottes Sohn, zu meiner Rettung selbst gestorben war? Es war an der Zeit mit anderen Christen Kontakt aufzunehmen, die sich in diesen Bibelaussagen auskannten. Ich hatte das Gefühl, dass diese Aussage, Jesus sei meine Rettung in all meinen Jahren und Jahrzehnten als Katholikin irgendwie an mir vorbei gegangen war.

So kam ich im Sommer 2014 in eine freie christliche Gemeinde in München. Sie bestand aus Menschen, die offensichtlich eine tiefe Beziehung zum Herrn Jesus hatten, die wie eine große Familie in Freude und Treue ihre Gottesdienste feierten, frei von den liturgischen Zwängen, die ich so kannte. Ich fühlte mich fremd, so als könnte ich da irgedwie nicht mithalten, und entschied, so nett es auch war, dass ich dort nicht hinein passte. Das sollte sich aber ändern und Gott zog mich jeden Sonntag in die Gemeinschaft dieser Christen.

Ewig tot, ewig lebendig

Er bewirkte auch, dass mein Sträuben verging und Gott allein lenkte in dieser Zeit eine entscheidende Weiche in meinem Leben. Ich fand Menschen, die weiter mit mir gemeinsam in der Bibel lasen und ich bin dankbar dafür, dass der Herr mir die Verse aus dem Römerbrief auf mein Herz legte: “denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten, sodass sie ohne Verdienst gerechtfertigt werden durch seine Gnade [aufgrund der Erlösung], die in Christus Jesus ist.“ (Römerbrief 3, 23-24)

Gott hat mir Augen und Herz geöffnet. Ich durfte verstehen, dass ich Jesus als meinen Retter und Erlöser brauche, dass, worum ich mich auch immer bemühe im Leben, das alles mich nicht vor der Tatsache rettet, eines Tages zu sterben und auf ewig tot zu sein. Jetzt darf ich glauben, dass Jesus mich davon befreit hat und ich nicht nur den Rest meines irdischen Lebens mit ihm als meinen Herrn leben darf, sondern auch dass ich, dank seines Opfers, was er für mich gebracht hat, sein eigener Tod, dass ich darum ewig leben darf. 

Dank Gottes großer Güte durfte ich in der christlichen Gemeinde meinen Ehemann kennenlernen und bin von Herzen froh, dass auch sein Leben erfüllt ist von dem Bewusstsein darüber, dass Gott in seinem Leben Herr ist und Er uns mit allem, was wir haben dürfen, so reich beschenkt. 

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